Riesengottesspaß

„Hier, das ist für Dich, Opa.“

Der Junge streckte dem Alten ein Papier entgegen. Es hatte fast keine umgeknickten Ecken. Ein wunderschöner sechseckiger Schneekristall war darauf.

„Wir haben heute in der Schule über den Schnee gesprochen. Herr Fabian hatte ein ganz tolles Buch. Da waren Fotos von Schneekristallen abgebildet. Jemand hat es geschafft, ganz viele unter dem Mikroskop zu fotografieren. Jeder einzelne Kristall sieht anders aus, keine zwei gleichen sich - und es gibt doch Milliarden!

Wir haben dann selber welche gemalt. Das ist ganz schön schwer, denn die sind ja völlig regelmäßig.“

Der Alte nahm das Blatt und strich liebevoll dem Enkel über den Kopf.

„Ich danke Dir sehr. Damit hast Du mir eine große Freude gemacht.“

„Großvater, wenn das doch niemand sieht, ich meine, wir sehen den Schnee, aber wir sehen doch nicht die Kristalle, warum macht Gott sich so eine große Mühe? Meinst Du, er hat einfach Spaß dran? Einen Riesengottesspass? Schließlich hat er ja die ganze Ewigkeit Zeit dazu.“

Der Alte schmunzelte in seinen Bart.

„Und wenn der Schnee schmilzt, ist es bloß noch Wasser. Wo sind dann die ganzen schönen Formen? Meinst Du die bewahrt Gott in seinem Herzen?“

„Aber gelt, vielleicht ist es wichtig, dass das Wasser mal Schnee gewesen ist.“

„Opa, meinst Du, unser Lehrer weiss sowas?“