Speckschwarte oder Pflunzenhaut
„Opa, warum haben manche Menschen einen roten Kopf, wenn sie lügen, und andere nicht?“
Der Großvater kratzte sich lange den Bart.
„Das ist eine ziemlich schwierige Frage, mein Junge. Kennst Du denn noch andere Gelegenheiten, wo jemand einen roten Kopf bekommt?“
Der Junge druckste herum.
„Larissa hatte sich doch den Arm gebrochen. Da habe ich sie gefragt, ob ich ihr die Sachen tragen kann. Das haben die anderen mitgekriegt. Jetzt rufen sie immer, ich sei verliebt.“
„Und, bist Du?“
Der Junge schwieg, der Großvater lachte.
„Siehst Du, jetzt bist Du ein bisschen rot geworden, oder?“
„Aber warum, Opa? Und ich habe doch gar nicht gelogen.“
„Im Blut, mein Junge, lebt das Ich des Menschen, sein wirklicher ewiger Kern, der gut und gerecht, wahr und voll Liebe ist. Der versteckt sich bei einem normalen Menschen nicht. Wenn die Zunge ‚nein‘ sagt, das Herz aber weiß, dass ‚ja‘ richtig ist, dann zeigt es das, indem das Blut in die Haut geschickt wird.“
„Aber nicht bei allen Menschen, warum?“
„Du warst doch schon dabei, als gemetzgert wurde. Da gibt es dicken abgekochten Darm, in den man die Würste füllt. Es gibt Menschen, die haben eine Haut wie so einen abgebrühten Pflunzen. Da kommt das Blut nicht mehr an die Oberfläche. Vielleicht haben manche sogar solche Pflunzenhaut nach innen zur eigenen Seele.“
„Sagt man deshalb, dass sie abgebrüht sind, Opa?“